In Europa sind Biber geschützte Tiere. In Europäischer Union  ist die Biberjagd in drei baltischen Staaten und Poland erlaubt. Die Biber sind die größten Vertreter der Nagetiergattung, echte Wassertiere, die hervorragend schwimmen und tauchen können. In alten Zeiten lebten zahlose Biber im Lettland, wie das den Ortsnamen zu entnehmen ist: „Bebri”, „Bebrīši”, „Vecbebri”, „Bebroņi”, „Bebrinka”, „Bebruleja”, Bebrupe, Bebrukalns, Bebrenes pagasts[1]. Die Biber werden hauptsächlich wegen des wertvollen Pelzes und der Drüsabsonderung gejagt. Die Drüssabsonderung wurde in Volksheilkunst verwendet. Biberfleisch wird als Nahrungsmittel gebraucht, und die deutschen Gastjäger erzählen, dass ein Kilogramm Biberwurst in ihrem Land fünfzig Euro kostet. Geräucherter Biberschwanz gilt als Feinkost, mit eigentümlichem Geschmack, gleich dem Steinbutt.

         Nicht nur Hippokrates hat ungefähr 400 Jahre vor unserer Zeitrechnung auf Gebrauch der Biberdrüsen in der Medizin hingewiesen, sondern sind solche Angaben auch in Papyrusrollen gefunden. Das 1679. erschienenes „Kräuterbuch” von Lonitzer empfiehlt, die Biberdrüsen beinahe gegen alle Krankheiten zu gebrauchen. Zur Zarenzeit kostete ein Gramm Pulver getrockneter  Biberdrüsen fünf Goldrubel. Weil die Speisekarte der Biber viele wertvolle Kräuter enthält, wurden die Biberdrüsen früher beinahe für Panakeia gegen alle Süchte gehalten. Jäger loben sie als ein Wundermittel und örtliche „Viagra. Präparate der Biberdrüsen zeichnen sich durch umgehende Wirkung aus, un sie werden auch heute angeboten und gebraucht. Sie werden in unserer Zeit als Fixiermittel der Parfüme „Romeo”, „Opera”, „Dēmons” und vieler anderen Aromas gebraucht. Die aus Biberdrüsen gewonnenen Stoffe wurden auch dem Getränk „Papardes zieds”[2] zugetan. Der Jäger Juris Želvis aus Region Preiļi Aizkalnes Gemeinde macht Aufguss der Biberdrüsen. Das ist das einzige im Lettland lizenzierte Produkt. Die Produktbezeichnung ist „Fonto de forto” oder „Dabas spēks”[3] . Präparate der Biberdrüsen zeichnen sich durch umgehende Wirkung aus.

         „Ingenieure der Tierwelt” – so werden die Biber bezeichnet. Sie bauen komplizierte Dämme, Kanäle, Häuschen. Schlamm und Steine dienen als Fundament der Dämme. Der Biber fügt dem Damm Büsche, Balken hinzu, und Schlamm, Steine, nasse Pflanzen werden als Zementstoff auf die Balken gelegt. Solcher Damm wird in Zukunft von vielen Generationen der Biber instandgehalten und repariert. Die Dämme können bis 600 Meter lang sein. Am häufigsten besteht eine Biberkolonie aus  4- 5 Tieren – das sind hauptsächlich die erwachsenen Alttiere und die Jungtiere aus letzten zwei Jahrgängen. Die Biber leben in monogamen Dauerehen – das Paar lebt zusammen bis zum Tod eines  der Partner. Gibt es mehrere erwachsene Weibchen in Bibersiedlung, gebärt nur ein von ihnen die Jungtiere. Man erzählt, dass die Biber den Familienzuwachs mit einer besonderer Schönheitsreparatur kundtun, indem sie Klumpen von frischem Schlamm oder benagte Zweige  zum Schmückens des Häuschens benutzen.

         Die Biber bauen ein kuppelformiges Häuschen aus Ästen und Schlamm, es kann 1-3 Meter über Wasser ragen, der Untergrund kann im Durchmesser 3-12 Meter betragen. Das Häuschen hat eine Kammer der inneren Höhle, zirka 1-2 Meter breit und 0,6-0,7 Meter hoch. Der Kammerboden liegt über Wassersstand, der Boden wird mit trockenen Pflanzen ausgelegt. Die umgebenden Wände können fast ein Meter stark sein, und die Lüftungsöffnung befindet sich über die Kammer. Unter dem Wintereis des Stausees ist ein oder einige Ausgänge gebaut. Der Ausgang soll sich immer unter Wasser befinden, damit die Höhle für Raubtiere unzugänglich sei. Die Tunnel können sehr kompliziert sein und sich weiter als zehn Meter vom Eingang erstrecken. Die Tunnelbreite beträgt 0.3-0.4 Meter. Der dickste bisher entdeckte von den Bibern abgenagte Baum ist an der abgenagten Stelle mehr als einen Meter dick. Der Biber nagt innerhalb von 13 Minuten die Weide ab, die im Durchmesser 13 cm beträgt.

         Die Biber sind vorwiegend nächtlicherweise aktiv, doch sie können manchmal auch nachmittags tätig werden. Die Biber sind das ganze Jahr betriebsam, sie verlassen im Winter ihr Häuschen ausschliesslich dafür, um sich zum nahen Nahrungsspeicher zu begeben. Im Winter können die Biber eine Zeit letargisch werden und von den Fettreserven des Körpers leben, doch sie fallen nicht in echten Winterschlaf. Der Biberschwanz ist sehr eigenartig gestaltet, diese Schwanzform ist ausschliesslich für diese Gattung charakteristisch – platt, in Ruder- oder Spatenform, mit Hornplatten bedeckt. Beim Schwimmen wird der Schwanz als Ruder und Steuer benutzt, doch ein sitzender und „sich kämmender” Biber zwingt den Schwanz zwischen den Hinterbeinen und rückt ihn nach vorn. Als der Biber im Schnee sitzt, schützt der Schwanz die inneren Organe und die zarten hinteren Schwimmfüße vor Erfrieren. Beim Gehen schaukelt der etwas gehobene Schwanz  hin und her über die Füße und lässt eine charakteristische Spur hinter sich. Der Biber warnt andere „Familienmitglieder” vor vermutbarer Gefahr durch heftigen Schlag mit Schwanz aufs Wasser, der in Nachtstille wie ein Schuß knallt. Die Zahnweite eines erwachsenen Bibers beträgt 7-9 mm, ihre Farbe an der Vorderseite ist orangerot. Die Vorderzähne des Bibers sind stark, wie ein Stemmeisen geformt, sie wachsen sein ganzes Leben lang, doch die Zähne nutzen sich durch Nagen der Bäume und zwar – schneller an der Innenseite als an der Außenseite ab. Solcherweise bewahren die Zähne ihre Schärfe. Der Biber sieht täppisch aus, doch er bewegt sich sehr schnell, als er erschrocken ist oder zum Angrif übergeht. Die Ohre des Tieres sind kurz, als der Biber ins Wasser taucht, pressen besondere Muskeln die Ohren in Längerichtung zu, und so kann Wasser in Ohre nicht eindringen. Seine Lippen sind gespalten. Will der Biber unter Wasser an etwas nagen, presst er die Oberlippe in der Innnenseite der Vorderzähne zusammen und drückt fest an die Unterlippe an, so kann Wasser in Mund nicht eindringen. Die Augen sind klein, seine Nasenlöcher haben kleine, fleischige Ränder. Die Lebensdauer der Biber beträgt 25-50 Jahre.

         Die Biberfamilie kann für Winterernährung bis 20 Kubikmeter Ast aufspeichern. Die Biber fressen die kleinen Zweige vollständig auf, und die Rinde der dicken Äste wird von Bibern abgenagt. Im Winter ernähren sie sich vorwiegend von Baumrinde, Ästen und neuen Sprösslingen. Ein erwachsener Biber verzehrt innerhalb von einem Jahr 7-8 Lademeter Baumzweig und Baumrinde. Ab März und April geht der Biber almählich zur Kräuternährung über. Anfangs frißt der Biber Rohrkolben-, Schilf- und Wasserblumenwurzel, später – ihre Stängel und Blätter. Ein erwachsener Biber frißt verschiedene Krautpflanzen, Rinde und Zweige der Laubbäume, Blätter und Wurzel der Wasserpflanzen. Der Biber frißt im Sommer Pferdeampfer, Löwenzahn, Schilf und  andere Pflanzen gern.

         Die früher im Lettland in Jēkabmiests Umgebung 1855. ausgerotteten Biber sind wohl die letzten in dieser Gegend gewesen. Der letzte Biber in Vidzeme ist am Anfang siebziger Jahre des vorvorigen Jahrhunderts (1871 oder 1873.) im Fluß Rauza bei Smiltene getötet. Die norwegische Regierung hat. Lettland 1927 zwei Biberpaare geschenkt, die in Fluß Stende im Bereich der Oberforstei Ugāle ausgesetzt sind. Es war nach  Aussetzung der Biber verboten, in diesem Ort zu fischen und sogar den Flußufer entlag zu gehen. Aufgrund von einem Sondergesetz wurden die Biber für Staatseigentum erklärt, ihr Fangen oder Erschießen wurde mit 1-6 Monaten Haft und 500-1000 Lat Geldstrafe bestraft.

         1935. wurde ein norwegisches Biberpaar in Lipsa, Nebenfluß von Rauza, ausgesetzt. Ein Damm wurde für die Biber gebaut, doch die Tiere hatten diesen nicht anerkannt und selbst zwei Dämme - einen kleineren und einen großen Damm - gebaut. Der zweite 64 Meter lange Damm wurde jahrenlang gebaut.

         Im Juli 1952 wurden fünf osteuropäische schwarze Biberpaare aus Naturschutzgebiet Woronesch nach Lettland gebracht. Das Naturschutzgebiet Woronesch hatte sie gegen norwegische Biber ausgetauscht, die es dort früher nicht gab. Ein Biberpaar wurde in Kroje, Nebenfluß von Abava, ein Paar in Fluß Baņgava ausgesetzt, der sich durch den Usma- See mit Nebenflüssen von Irbe - Engure und Stende - verbindet, zwei Paare wurden in Fluß Slocene unweit des Kaņieris – See ausgesetzt. 1975. wurde das Abfangen örtlicher Biber aus Stromgebieten der Flüsse Abava, Venta und Slocene zwecks ihrer Versetzung nach Stromgebieten der Flüsse Gauja, Aiviekste, Pērse, Krievupe und anderswohin begonnen. Die Biber wurden ab 1980. jagdbare Tiere, und 111 Biber wurden dann erlegt. Ein Biberfell guter Qualität kostete  100-120 Rubel,  das glich damals dem Monatsgehalt eines Bürokaufmanns. 1980. wurde die Biberzahl auf zirka zehnntausend Tiere geschätzt. Heute könnte ihre Zahl  über neunzigtausend sein.

         In Norden des westsibirischen Flachlands, am Fluß Konda wird eine Märe über Herkunft der Biber erzählt. „Die Stammutter der Biber sei eine Frau – Weberin – gewesen. Ihre vielen Kinder haben sie schlecht behandelt, und seien so weit gegangen, dass sie der Mutter nicht einmal zu trinken gegeben haben. Einmal sei sie den Kindern so böse geworden, dass sie von ihnen fortgegangen sei, sich ins Wasser häuslich niederlassen und sich in einen Biber verwandelt habe. Ihre Kleidung habe sich in Fell verwandelt, aber der Schwanz sei aus Brettchenzierbändern entstanden.” Das am kleinen Fluß Sosva wohnendes Volk – Chanten[4] hat zu seiner Zeit geglaubt, dass die Biber Menschen sind, die sich in Biber verwandelt haben, um den Verfolgern zu entfliehen. (In einer anderen Variante – die Menschen sind zur Strafe in Biber verwandelt.) In Grüften bei Onega –See sind große Mengen Vorderzähne der Biber neben den senkrecht beerdigten Verstorbenen gefunden. Es ist zu vermuten, dass Schamanen hier begraben sind, deren Kleidungsstücke mit Biberzähnen besetzt wurden. Dadurch sei wohl die Tatsache zu erklären, dass Biberknochen in „Küchenrest” dieser Zeit kaum zu finden sind, weil sie nicht einfach weggeworfen, sondern aus Achtung gegen dieses Tier sorfältig aufbewahrt wurden. Verschiedene Werkzeuge wurden aus den Knochen gemacht, doch die bearbeiteten stemmeisenartigen Vorderzähne seien die besten Schneidwerkzeuge gewesen.

         Schwedischer Bioologe, Biberorscher Vilson schreibt, dass die nordamerikanische Indianer die Biber sowohl für überirdische Wesen gehalten als auch ihnen ganz menschliche Eigenschaften zugeschrieben haben. Biberfleisch sei für die Indianer ein besonderer Leckerbissen gewesen, aber die eigentümlichen, nur für die Biber charakteristischen Drüsen samt der Absonderung seien in Volksheilkunst gebraucht worden. Die Verstobenen seien in Biberfell eingewickelt worden, die Schenkung des Bibers sei ein besonderes Merkmal von Freundschaft gewesen.

         Eine Legende der Indianer über Schaffen der Welt berichtet, dass die Erde anfänglich unter Wasser gelegen sei. Dort lebten die den Indianern treuen Tiere, sie wurden von Bibern beherrscht, die damals sehr groß gewesen seien. Als der Geist Hiawatha beschlossen habe, Festland zu schaffen, habe er die Biber zu Hilfe gerufen. Sie haben ins Wasser getaucht und Schlamm nach oben gebracht, davon alle topographische Einheiten geschaffen seien. Die Riesenbiber haben auch sprechen gekonnt. Ab und zu habe jemand von ihnen diese Fertigkeit mißbraucht, und er sei dafür zum Tod verurteilt. Von Seelen der hingerichteten Biber sei der Mensch entstanden, der dem Charakter nach seinem Ahnen sehr gleich gewesen sei. Manche Indianerstämme haben den Biber für ihren Urvater gehalten und seien darau sehr stolz gewesen.

         Die Bänder von „Latvju dainas”[5] enthalten zirka vierzig Dainas, die von der direkten Bedeutung der Biber in Wirtschaft und Alltagsleben des lettischen Volkes zeugen. Die Zahl der Wildtiere erwähnender Dainas übersteigt zweitausend. Der Wolf ist in Dainas am meisten wohl aufgrund seiner negativen wirtschaftlichen Bedeutung oder „bösen” Taten erwähnt. Dainas schreiben dem Biber viele hervorragende Eigenschaften – Klugheit, Baukunst, auch wertvolles Fell- zu.

[1] Bebrs – Biber „Biber“, „Biberchen“, „Altbiber“, „Biberone“, „Bebrinka“, „Bibertal“, „Biberfluß“, „Biberberg“, Gemeinde Bebrene

[2] Farnbblüte

[3] „Naturkraft“

[4] Ein finnougrisches Volk im  Westsibirien (Russland)

[5] Lettische Volkslieder (Gedichte)